"Tag der offenen Tür" zum Start der Bohrungen / Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg Ulrich Junghanns: "Ein wichtiger Tag für den Industriestandort Brandenburg"
Spremberg, 25. September 2009. Mit einem Hammerschlag startete heute die erste Bohrung in der Kupferschiefer-Lagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife in Sprembergs Industriegebiet Ost. Aus diesem Anlass veranstaltete das Bergbauunternehmen KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH einen Tag der offenen Tür, an dem unter anderem der Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg Ulrich Junghanns, der Präsident des Landesamts für Bergbau, Geologie und Rohstoffe in Brandenburg Dr. Klaus Freytag, der Bürgermeister der Stadt Spremberg Dr. Klaus-Peter Schulze sowie der Bürgermeister der Stadt Schleife Reinhard Bork teilnahmen. Die erste Bohrung wird bis in eine Teufe von ca. 1.250 Metern reichen, erste Ergebnisse werden nach etwa drei Monaten erwartet. Ziel der KSL-Arbeiten ist die Erstellung einer Studie zur Prüfung der Machbarkeit als Grundlage für die Entscheidung über den Abbau des Kupfererzes. Dieser könnte nach Erhalt aller notwendigen Genehmigungen und dem Bau der entsprechenden Anlagen zwischen 2016 und 2020 erfolgen.
"In der Bergmannssprache spricht man von Hoffnungsbau, wenn erwartet wird, in absehbarer Zeit nutzbare Mineralien aus einem Rohstofflager anzufahren. Unsere Arbeiten in den vergangenen zwei Jahren waren stets von dieser Erwartung getrieben und wir freuen uns, dass wir unseren Hoffnungsbau jetzt endlich von der Planung in die Umsetzung bringen können. Die existierende Kupferlagerstätte Spremberg-Graustein-Schleife wird in ihrem Ausmaß und ihrer Qualität durch KSL mit modernen bergbautechnischen Verfahren bestätigt. Gemeinsam mit allen Projektbeteiligten möchten wir dafür sorgen, dass aus unserer Hoffnung handfeste Perspektiven, Planungen und Investitionen werden, für die Region sowie auch für den Bergbau in Deutschland", so Volker Spieth, Geschäftsführer von KSL Kupferschiefer Lausitz.
"Heute wird ein neues Kapitel bei der Nutzung heimischer Rohstoffe in Brandenburg aufgeschlagen. War bisher der Braunkohlebergbau der dominierende Bergbauzweig der Region, kommt nun die Erkundung von Kupfervorräten hinzu. Dieses Unterfangen ist Ausdruck von unternehmerischem Mut, den wir für wirtschaftliches Wachstum unbedingt brauchen. Dafür zolle ich Respekt. Denn das stärkt die Region und damit das Land. Mit Fug und Recht lässt sich sagen: Heute ist ein wichtiger Tag für den Industriestandort Brandenburg", erklärt Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns.
Das KSL-Programm umfasst zwei wichtige Schritte. Zum einen wird das vorliegende Material analysiert, insbesondere die Bohrkerne, die zu DDR-Zeiten gewonnen wurden und heute im Bohrkernlager in Wünsdorf (Brandenburg) aufbewahrt werden. Darüber hinaus sollen mit dem aktuell startenden Bohrprogramm mit bis zu 1.300 Meter tiefen Bohrungen die damaligen Ergebnisse verifiziert, eine mögliche Erweiterung der Lagerstätte untersucht und die Gewinnbarkeit der Metalle getestet werden.
Um mit der ersten Bohrung starten zu können, wurde der Bohrplatz während der vergangenen zwei Monate vorbereitet: Ein Vorbohrloch wurde hergestellt und ein Standrohr, das durch Ringraumzementation gesichert wurde, eingebaut. Ein solches Standrohr dient als Startbohrloch jeder Tiefenbohrung. Diese läuft in verschiedenen Etappen ab: Zunächst wird ein Ankerrohr, das ebenfalls zementiert wird, bis in eine Teufe von ca. 550 Meter eingebracht. Anschließend werden noch zwei weitere Verrohrungen bis zur Erzlagerstätte eingebaut, wobei der Bohrdurchmesser nach jedem Rohreinbau kleiner wird. Das beim Bohrvorgang gelöste Bohrklein wird von der Bohrlochsohle durch die Bohrspülung abtransportiert.
Die Erzlagerstätte selbst wird in einer Teufe von mehr als 1.000 Metern im Kernbohrverfahren erschlossen, wobei mit einer diamantbesetzten Kernbohrkrone eine zylindrische Säule, der Bohrkern, aus dem Erz gebohrt wird. Dieser wird an die Oberfläche befördert und im Labor auf seine Erzgehalte hin untersucht. Im Bereich des Erzhorizontes, aber auch in den vorherigen Bohrabschnitten, die verrohrt wurden, werden geophysikalische Messungen durchgeführt, um unter anderem den Schichtenaufbau der Lagerstätte darzustellen.
Die Bohrungen führen die Bohrfirmen Angers` Söhne aus Hessisch Lichtenau sowie E+M aus dem bayrischen Hof durch. Die metallurgische Analyse der Bohrkerne findet in Großbritannien und Kanada unter Leitung und Beobachtung des international renommierten Unternehmens SGS LAKEFIELD statt.
Die Sicherheit steht beim KSL-Programm an erster Stelle. Berggesetze, Tiefbohrverordnungen und die Bohrbetriebspläne müssen beachtet und unter Oberaufsicht des Bergamtes eingehalten werden. Sensible Bodenschichten und Horizonte werden mit Stahlrohren abgesichert. Auf diese Weise werden auch sogenannte Aquifere, also Trink- und Grundwasserleiter, in keiner Weise beschädigt. Weitere Sicherheitsvorkehrungen umfassen den sogenannten "Preventer Stack", durch den das Bohrloch von möglichen Gasvorkommen abgeschirmt wird.
Die Bohrarbeiten erfolgen unter minimalem Eingriff in die Natur - nach diesem Prinzip werden bereits die Bohrplätze ausgewählt. Nach Beendigung der Bohrung wird das Bohrloch mit einer Zementschlämme vollständig verfüllt. Die Bohrspülung sowie auch das geförderte Bohrklein werden nach Abschluss der Erkundung auf speziell hierfür zugelassenen Deponien entsorgt. Der Bohrplatz wir rekultiviert und der Zustand vor Beginn der Arbeiten wiederhergestellt.
KSL ist ein deutsches Bergbauunternehmen mit Sitz in Spremberg und 100%-ige Tochter der Bergbaugesellschaft Minera S.A., die auf die Erkundung und den Abbau von Bunt- und Edelmetallerzen spezialisiert ist. Der internationalen Holding wurden 2007 die behördlichen Aufsuchungserlaubnisse für die Kupferschiefer-Lagerstätten Spremberg und Graustein in Brandenburg sowie Schleife in Sachsen zugeteilt. Die Lagerstätten befinden sich in unmittelbarerer Nähe zur polnischen Grenze und wurden bereits zu DDR-Zeiten erkundet. Aktuell findet eine Neubewertung statt. Mit bis zu 1.300 Meter tiefen Bohrungen verifiziert KSL die damaligen Ergebnisse, untersucht eine mögliche Erweiterung der Lagerstätte und testet die Gewinnbarkeit der Metalle.
Die Kupfererzvorkommen in der Lausitz wurden bereits zu DDR-Zeiten von 1954 bis 1980 erkundet. Eine Bergwerksentwicklung war seinerzeit in den 1990er Jahren geplant. Das Feld Spremberg-Graustein-Schleife erstreckt sich über eine Fläche von 15 km in der Länge und 3 km in der Breite. Die Lagerstätte hat eine Erz-Mächtigkeit von durchschnittlich 2,5 Meter und ähnelt in seiner flächigen Ausdehnung einem Kohlenflöz. In einem Teufenbereich von 800 bis 1300 Metern liegt das Kupferschieferflöz an der Basis der sogenannten Zechsteinformation, die sich im Erdzeitalter des Perms vor ca. 250 - 300 Millionen Jahren gebildet hat.
Andreas Leisdon
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